Erfahrungen und Gedanken aus meinem Lernalltag


Die Gedanken, die Sie hier lesen, sind als buntes Puzzle zu verstehen. Es sind Auszüge aus unzähligen Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrpersonen und Fachleuten. Und es sind Erfahrungen aus meinem Arbeitsalltag.

Vielleicht beantwortet das eine oder andere Thema eine Frage, die Sie gerade beschäftigt.  Das würde mich freuen. Vielleicht tauchen weitere Fragen auf, dann zögern Sie nicht, mir diese zu stellen. In manchen Texten werden Sie durchaus ein Schmunzeln oder Augenzwinkern meinerseits heraushören. Weil ich finde, Menschen und Situationen ernst zu nehmen, schliesst Humor und Glück nicht aus.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen.

Herzlich
Anita Ganzoni

Ihr Kind ist in der Pubertät? Viel Spass!

Es ist mir völlig ernst mit diesem Titel: Ich kenne keine spannendere Lebensphase. Und ich kann Ihnen auch erklären, warum ich das so sehe.

Pubertierende sind offen, neugierig, wollen entdecken, sich und andere spüren, Grenzen ausloten, die Welt verändern und sie stellen alles und jeden in Frage. Dabei durchschauen sie unsere Stärken und Schwächen blitzschnell.

Es gibt aber einen entscheidenden Punkt in dieser Entwicklungsphase: die Zeitrechnung. Nehmen wir an, der Teenager ist 15 Jahre alt. Geht es um dessen «Rechte» wie Taschengeld, Medienkonsum, Ausgang oder den Umgang mit Suchtmitteln, fühlen sie sich mindestens drei Jahre älter und entsprechend fordern sie. Geht es um die Pflichten wie das Mithelfen im Haushalt oder Verantwortung für die Schule/Ausbildung zu übernehmen, schlüpfen sie schnell wieder in das Verhalten eines 12-Jährigen. «Immer ich, schon wieder ich, die anderen müssen auch nicht, die anderen dürfen das schon…» Sie kennen diese Diskussionen nur zu gut. Wir verhandeln also in einer gefühlten Zeitspanne von sechs Jahren. Im Verhältnis zum Lebensalter eines Teenagers ist das ziemlich viel. Und so schwingt automatisch das Wort Spannung mit.

Dasselbe gilt aber auch für uns Erwachsene. Einfach umgekehrt. Sprechen wir von Verantwortung, sind sie in unseren Augen schon gross, ja fast erwachsen. Geht es jedoch ums Loslassen oder Vertrauen, möchten wir sie gerne beschützen und behüten, solange wie möglich. Wir stecken also genauso in diesem Widerspruch.

Wie gehen wir damit am besten um?

Erinnern Sie sich immer wieder daran, wie Sie diese Zeit selbst erlebt haben. Was Sie gedacht, gefühlt, getan oder auch nicht getan haben. Und besinnen Sie sich dann zurück:

- Wer hat an Sie geglaubt?
- Wer war Ihre Vertrauensperson?
- An wem haben Sie sich orientiert?
- Wer war für Sie da? In welcher Form? Und was hat diese Person so besonders gemacht?
- Was bewirkte ein Lob bei Ihnen?
- Was löste Kritik bei Ihnen aus?

Mein Rat an die Eltern pubertierender Kinder: Hören Sie zu, hören Sie genau zu und sagen Sie wenig. Am besten nur, wenn der Jugendliche Sie um Ihre Meinung bittet. Die Jugendlichen machen sich 1'000 Gedanken. Und es gibt kaum etwas, das sie nicht schon von uns Erwachsenen gehört haben. Und zwar mehr als einmal. Viel wichtiger ist das, was Sie dem Jugendlichen vorleben: Wofür Sie sich begeistern, ob Fehler erlaubt sind, ob Humor im Alltag Platz hat.

Vertrauen Sie dem Weg, den Ihr Kind geht. Es wird ein anderer sein als der, den Sie vielleicht gewählt hätten. Und wollten Sie in Ihrer Jugend nicht auch Ihren eigenen Weg gehen? Wenn Ihr Kind stark ist, wird es sowieso seine eigene Wahl treffen. Vielleicht stimmt diese mit Ihrer Vorstellung überein, vielleicht nicht. Sie haben jetzt die Wahl, zu entscheiden, ob und wie Sie Ihr Kind begleiten. Vertreten Sie Ihre Meinung, bleiben Sie authentisch und gewähren Sie Ihrem Kind das gleiche Recht. Dann kann die Pubertät für beide Seiten eine wertvolle Lebensphase sein. Ja, sogar Spass machen.

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