Erfahrungen und Gedanken aus meinem Lernalltag


Die Gedanken, die Sie hier lesen, sind als buntes Puzzle zu verstehen. Es sind Auszüge aus unzähligen Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrpersonen und Fachleuten. Und es sind Erfahrungen aus meinem Arbeitsalltag.

Vielleicht beantwortet das eine oder andere Thema eine Frage, die Sie gerade beschäftigt.  Das würde mich freuen. Vielleicht tauchen weitere Fragen auf, dann zögern Sie nicht, mir diese zu stellen. In manchen Texten werden Sie durchaus ein Schmunzeln oder Augenzwinkern meinerseits heraushören. Weil ich finde, Menschen und Situationen ernst zu nehmen, schliesst Humor und Glück nicht aus.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen.

Herzlich
Anita Ganzoni

Begeisterung ist Dünger für unser Gehirn

Es könnte so schön sein: Das Kind hört im Unterricht begeistert zu und daheim macht es freiwillig seine Hausaufgaben. Doch Sie und ich wissen, der Alltag sieht öfters anders aus. Das Zauberwort heisst Motivation, damit Kinder lernen. Gerne verrate ich Ihnen einen Trick dazu.

Wir Erziehenden versuchen auf vielfältige Weise, die Kinder und Jugendlichen zu motivieren. Sei es für die Schule, die Berufswahl, mindestens eine Sportart, ein Musikinstrument und vieles mehr. Doch leider ist es so, dass Motivation nur bedingt von aussen kommt. Klar, es wäre praktisch, könnte man Begeisterung und Interesse wie eine Halswehtablette den Pubertierenden verabreichen. Einfach mit der Anweisung: Lasse sie langsam auf der Zunge zergehen und alles wird gut. Doch wie so oft würden sie die Kinder wieder ausspucken, denn sie wissen, dass sie ein Recht darauf haben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Was sollen wir Erwachsene also tun? Ich meine, wir sollten mindestens so fasziniert von Geschichte, Französisch und Mathematik sein, wie wir es uns von den Kindern wünschen. Wir sollten uns genauso auf ihre Hausaufgaben und Projektarbeiten stürzen und uns in ihren Stoff reinknien, wie wir es von ihnen erwarten. Aber wir tun das natürlich nicht, weil wir finden, unser Kind muss seinen eigenen Weg gehen. Im besten Fall fragen wir sie in Englisch ab oder helfen bei einer besonders kniffligen Matheaufgabe. Vor allem sind wir aber da, wenn sie mit Fragen zu uns kommen.

Ob wir bei den Hausaufgaben helfen oder nicht: Wir sollten ihnen unsere Begeisterung für etwas vorleben. Sie sollen unsere Motivation spüren, bei dem, was wir tun. Sei es bei unserem Beruf, einem Hobby oder bei ganz gewöhnlichen Alltagsaufgaben. Die Heranwachsenden nehmen diese Haltung wahr und orientieren sich an ihr. Dabei müssen wir keine ewig motivierten Übermenschen sein. Denn wir alle kennen Pflichten, von denen wir uns lieber lossagen würden. Doch auch das kann dem Jugendlichen helfen, ein Gefühl zu formulieren und abzuschauen, wie wir damit umgehen.

Der Neurobiologe Gerald Hüther schreibt in seinem Buch «Was wir sind und was wir sein könnten» einen zentralen Satz: Begeisterung ist Dünger für unser Gehirn. Gleichzeitig führt er aus, wie unser Gehirn von unseren Gefühlen, Einstellungen und Haltungen geprägt werden.

So wünsche ich allen, die Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung begleiten, viel Begeisterung. Und zwar täglich von Neuem.

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